Wahlweise könnte ich es auch als Sklavenarbeit bezeichnen. Ich bin auf der Suche nach einem kleinen Nebenjob und hatte gestern einen Probearbeitstag bei einem Klüngelgeschäft, das eigentlich fast jeder kennt. Normalerweise verirrt man sich dort hin, um unnützen Dekokram für sich oder jemanden zu kaufen, der bald Geburtstag hat. Tipp: Der Name der Ladenkette beginnt mit dem Ausruf nanu und endet mit na.. .
Unglaublich war ja schon, dass der Arbeitstag um 6.00 Uhr beginnen kann. Wer denkt schon, dass die sooo früh mit dem Arbeiten loslegen. Lieferware musste entgegegen genommen werden und im Geschäft vor den entsprechenden Regalen verteilt werden. Große Kartons mussten durch die gut zugestellte Geschäftsfläche manövriert werden ohne anderes dabei kaputt zu machen. Das war aber noch gar nicht so schlimm.
Weiter ging es mit dem Auspacken der Ware. Ich als Linkshänderin mit zwei „rechten Händen“ bekam ein scharfes Kuttermesser gereicht. (Zum Glück sind noch alle Finger dran). Doch wann hantiere ich schon mal morgens vor sieben Uhr mit einem scharfen Gegenstand? Auspacken ist schon viel nerviger als das Verteilen. In einem großen Pappkarton verstecken sich meistens 24 bis 72 kleine Pappschachteln, die noch mit Styropor und Knallfolie eingepackte hässliche Gegenstände beinhalten. Komischerweise habe ich letzte Nacht nicht von Drachen auf Totenköpfen, Elfen in Schneekugeln oder Weihnachtsengeln geträumt. Unzählige Laternen durfte ich auch erst auspacken und dann aufbauen. Alles Krempel, den ich bei meinen Entrümpelungsanfällen sofort entsorgen würde.
Das Auspacken daurte bis ca 13 Uhr. Zwischendurch durfte ich noch einen Botengang machen und ständig den Laden fegen. Die stellvertretende Chefin war auch ganz nett, aber die eigentliche Fialleiterin, kaum älter als ich, war mir von Anfang an sehr unsympathisch. Ich wurde von a nach b gescheucht, sollte die eine Sekunde noch das eine machen und wenige Atemzüge später doch etwas anderes. An ihrem Mitteilungston kann die Gute auch noch einiges verbessern. Er liegt irgendwo zwischen hochnäsig, überheblich und besserwisserisch. Es war also jedes Mal eine großes Vergügen ihren Anweisungen Folge zu leisten.
Dem Auspacken folgte dann noch das Einpacken. Herbstdekokrempel musste gezählt, eingewickelt und in Kartons verstaut werden. Nervig. Zwischendurch konnte ich immer mal wieder ein paar Kunden helfen. Die einzigen Lichtblicke am Tag. Gearbeitet habe ich bis ca. 15.30 Uhr (ich erinnere von 6 Uhr an). Beim Arbeiten nimmt man meistens sehr unbequeme Positionen ein: hockend, knieend, gebückt, auf einer Leiter mit zig Kleinteilen jonglierend.
Als ich das Geschäft endlich verlassen durfe, immerhin habe ich über neun Stunden zur Probe gearbeitet und nichts dafür bekommen, hatte ich rasende Kopfschmerzen, meine Füße schmerzten als wenn ich stundenlang auf hochhackigen Schuhen getanzt hätte, dabei hatte ich bloß Turnschuhe an und eigentlich tat mir alles weh.
Ich habe einen echten Respekt vor den Personen, die das jeden Tag machen. Es war eine echte Erfahrung einen Einblick in diesen Arbeitsalltag zu bekommen, aber selber machen möchte ich das nicht. Dann unterrichte ich lieber zwei Klassen gleichzeitig
Zu guter letzt bekommt man als Aushilfe auch nur einen echten Hungerlohn. Es gibt gibt gerade mal 5 Kröten die Stunde.
Heute soll ich noch bescheid sagen, ob ich Interesse am Job habe. Meine Antwort könnt ihr euch sicherlich denken, oder? Ich habe heute sogar Muskelkater… Vielleicht bin ich ja auch ein wenig zart besaitet. Das Arbeiten an sich wäre mit der Zeit bestimmt nicht so schlimm, aber das Gehalt und die Arbeitsatmosphäre stimmen einfach auch nicht. Ich möchte auch keine Gerüchte in die Welt setzten. Jedoch bewerben sich im Geschäft täglich neue Personen auf den Aushilfejobe. Wenn sie jeden Tag jemand anders für fast neun Stunden Probearbeiten lassen, bräuchten sie eigentlich keine weitere Aushilfe einstellen.
Ich hoffe einfach, dass ich doch noch etwas Besseres finde. So dringend brauche ich dann noch kein Geld.