Ein kurzer Blick zurück. Hätte jemand am Anfang vom Jahr 2007 gesagt, dass ich ab diesem Jahr sehr viel Zeit auf der Autobahn verbringen würde, ich zwei Jahre später aus meiner Geburtsstadt wegziehen würde, um dann vom neuen Wohnort jeden Tag 40km zur Arbeit hin und wieder zurück zu pendeln und dass meine Arbeitsstelle an einer Hauptschule sein würde, hätte ich diese Person wahrscheinlich für verrückt erklärt. Was sich in zwei Jahren doch so alles ändern kann… Im Moment lerne ich auf jeden Fall fürs Leben und bekomme Einblicke in familäre Strukturen und Abläufe, die man ansonsten nur aus den schlecht geschauspielerten Fernsehsendungen am Nachmittag kennt. Sie sind leider doch zu oft Wirklichkeit.
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Wochenanfang
30. November 2009Das Wochenende war sehr erholsam. Doch nach dem ersten Schultag ist die meiste Erholung so gut wie verflogen
Die letzte Woche war sehr angenehm. In meiner einen Klasse fehlten nämlich teilweise alle Mächden oder es waren höchstens zwei anwesend. Das war sowas von entspannend. Jetzt sind die Oberzicken wieder da und machen Terror. Momentan fehlen oft ganz schön viele Schüler und natürlich arbeitet auch keiner von denen freiwillig irgendwelchen Unterrichtsstoff nach… Eigentlich wird ja erwartet, dass der Lehrer dann einem noch mal alles brühwarm erklärt. Bloß selbst dann würden sie nicht zuhören.
So langsam kann ich auch nicht mehr die ständig wiederkehrende falsche Antwort auf die Frage: Wie viel ist 1 mal 1?, hören…. Wahhhhh. So genung gemotzt. Der Unterricht für morgen will noch weiter vorbereitet werden.

Tagesausflug nach Berlin
27. November 2009Gestern waren wir mit zwei 10. Klassen und einer 8. Klasse in Berlin. Die Hinfahrt verlief reibungslos mit Zwischenstopp bei McDoof, wo so mancher ganz schön zugeschlagen hatte. Kurz nach 11 Uhr waren wir in Berlin im DDR Museum. Für die Schüler war eine knappe Stunde Aufenthalt angesetzt. Die ersten kamen nach fünf Minuten angekleckert und meinte, dass sie doch schon alles gesehen hätten und wussten nichts mehr mit sich anzufangen. Ein Programmpunkt wurde noch spontan weggekürzt. Der Marsch zum Potzdammer Platz war einigen schon zu weit und das Betrachten weniger Sehenswürdigkeiten auf dem Weg dort hin sowieso zu viel.
Die ersten blöden Aktionen ereigneten sich bereits bei diesem Marsch. Doch wahrscheinlich ist es besser, wenn ich darauf nicht genauer eingehe. Danach hatten die Schüler ausgiebig Freizeit, die sie scheinbar auch zu nutzen wussten. Wir Lehrer machten bei einem gemeinsamen Mittagessen erstmal einen ordentlichen Griff ins Klo. Wir suchten uns ein nettes Restaurant aus. Jedoch war das Essen und die angebotenen Getränke sogar für uns zu gesund, um es noch nett auszurücken. So schlecht habe ich schon lange nicht mehr gegessen und dazu gab es nur so exotische Getränke wie Apfel-Möhre-Ingwer-Saft, der leider besonders stark nach Ingwer schmeckte. Bähh.
Zum Schluss hatten wir auch alle Schüler wieder zusammen. Nur die Rückfahrt wurde zur echten Geduldsprobe, da einige Schüler doch sehr überdreht oder „angeheitert“ waren. Der Busfahrer unterstützt dies noch dadurch, dass er die entsprechenden Lieder anspielte, die dann von fast allen Schülern mitgegrölt wurden. Ich sage nur : “ Ich habe eine Zwiebel auf dem Kopf, ich bin ein Döner…“ Sie konnten sie alle lauthals mitbrüllen. Ich kam mir, glaube ich, noch nie sooooo alt vor. Der letzte Höhepunkt war, dass wir vom Zoll rausgewunken wurden. Einige Schüler begannen schon panisch in ihren Taschen zu wühlen. Wieso bloß?
Die Beamten interessierten sich nämlich nur für den Busfahrer und kontrollierten ihn. Hätte vielleicht nicht geschadet, wenn sie den einen oder anderen Schüler auch noch mal durchleuchtet hätten.
Die meisten haben sich eigentlich gut benommen, die größten Querulanten waren schon aussortiert, Spaß hat es allen gemacht, aber beim nächsten Ausflug werden wohl noch ein paar mehr aussortiert werden müssen.
Um halb neun am Abend war ich wieder zu Hause und ganz schön platt.

Aus dem Schulalltag
23. November 2009Inzwischen falle ich nicht mehr regelmäßig ins Koma, wenn ich nachmittags nach der Schule nach Hause komme. Es ist wirklich wahnsinnig anstrengend, insbesondere manche Schüler. Mit vielen kann man eigentlich ganz gut klar kommen, aber so ein paar Hansel reichen meist schon aus, um ein größeres Chaos anzurichten.
Der heutige Tag war recht entspannt. Besonders dreist war jedoch ein Schüler, der mir nach Rückgabe der Arbeit verkaufen wollte, dass ich eine Aufgabe übersehen und keine Punkte dafür gegeben hätte. Er hatte sie nachträglich auf das Blatt geschrieben… Da bin ich zum Glück nicht drauf reingefallen.
Über meine 8. Klasse in Sport muss ich mir Gedanken machen. Es kann ja wohl nicht angehen, dass die Schüler, die ihr Sportzeug vergessen, eine Entschuldigung haben oder aus anderen Gründen auf der Tribüne sitzen müssen und eine Strafarbeit bekommen, trotzallem mehr stören als die, mit denen ich Unterricht machen will *grummel*.
So jetzt wird erstmal der Unterricht vorbereitet. Vorsatz der Woche ist keine Nickerchen mehr am Nachmittag .

Ungerechtigkeit
16. Juli 2009Da ruft man nichts ahnend seine Mails ab und entdeckt zwischen den ganzen Werbe- und Spammails auch eine von einer Schülerin. Komisch. So erhält man mitten in den Ferien noch Beschwerden über vergebene Sportnoten. Ein wenig tut sie mir ja leid, dass sie sich scheinbar jetzt noch damit beschäftigt und sich darüber ärgert. Sie fühlt sich ungerecht behandelt, weil sie zwar viele Zweien hatte, aber leider auch eine Sechs in einer Disziplin und es so nur eine 3 wurde und das findet sie unfair… Hach ja… Was schreibe ich denn mal zurück? Im ersten Moment war ich etwas verärgert über diese Nachricht, andererseits finde ich es gut, dass sie nachfragt, obwohl sie das auch noch während der Schulzeit hätte tun können – nur ihr Tonfall lässt dabei einiges zu wünschen übrig.

Alte Materialien
11. Juli 2009Was mache ich jetzt eigentlich am besten mit den ganzen Berg an Unterrichtsmaterialien für die 2. Klasse Mathematik? Für meine 7, 9 und 10 Klasse werde ich das wohl nicht brauchen. Ist schon echt Wahnsinn, was sich da so in anderthalb Jahren angesammelt hat.
Verkaufen will man es nicht so recht, verschenken auch nicht, vielleicht kann man es ja irgendwann noch mal gebrauchen, nur im Moment braucht man es wirklich nicht. Es ist viel schlauer sich von Krempel zu befreien bevor es in die neue Wohnung geht. Dort landet es dann bestimmt auch nur im Keller oder auf dem Boden. Hmm kann ich vielleicht eine Leihstelle auf unbefristete Zeit für meine Materialien eröffnen?

Schulbuchzentrum
10. Juli 2009Ich mag diesen Ort. Dort gibt es vieles, was das Lehrerherz höher schlagen lässt. Leider gibt man dort viel zu schnell viel zu viel Geld aus, manchmal ist es gut angelegt manchmal weniger gut.
Ein wenig zusammenreißen konnte ich mich noch, aber nachdem was ich da heute gesehen habe, kommen vielleicht doch noch größere Ausgaben auf mich zu… Geht es um Bücher und Unterrichtsmaterialien kann ich sehr schlecht nein sagen.
Das Schulbuchzentrum freut sich.

Das nächste Schuljahr
25. Juni 2009Es rückt schon in greifbare Nähe und nimmt konkrete Formen an. Nun weiß ich mehr zu meinem voraussichtlichen Einsatz an der Schule.
Mathematik in Klasse 5, 8, 10
Sport in Klasse 5, 6, 8
Musik in Klasse 5 und 6 fachfremd – dabei bin ich ja sowas von unmusikalisch -das wird also ein Höllenspaß.
Physik in Klasse 6 fachfremd – das traue ich mir schon eher zu
So weiß ich zumindest in welchen Fächern ich mich in den Ferien auf den neusten Stand bringen muss.

Ende – Neuanfang
24. Juni 2009Jedem Ende wohnt ein Anfang inne und jeder Anfang hält Neues bereit.
Doch heute musste erstmal das Ende überstanden werden. So mit der Zeit scheine ich immer näher am Wasser gebaut zu sein. Die Schulleiterin hielt noch eine kurze Rede, mir wurde für meine gute Arbeit gedankt und ein kleiner Blumenstrauß überreicht. Bei den einzelnen Abschiedsrunden liefen dann immer wieder die Tränen und wenn ich daran denke, sammelt sich schon wieder etwas Tränenflüssigkeit im Augenwinkel – schlimm. Dabei bin ich ansonsten gar nicht traurig und warte viel mehr mit Spannung auf den neuen Job. Doch das alte Kollegium wird mir fehlen.
Morgen darf ich mich noch einmal mit der lieben Agentur für Ar**** rumärgern, aber ich habe ja bald wieder einen Job und deshalb kann das gar nicht so schlimm werden.

Der letzte Schultag
23. Juni 2009Morgen ist der letzte Tag vor den Ferien – die Kinder sind mit ihren Gedanken dort mindestens schon seit einer Woche, zumindest benehmen sie sich so
So steht morgen mal wieder ein Abschied an. Ein wenig Wehmut kommt schon in mir auf das liebgewonnene Kollegium zu verlassen. Hoffentlich wird es im neuen Lehrerzimmer auch so nett und herzlich. Also morgen das letzte Mal auf dem Schulparkplatz eine Lücke für mich Suchen, der letzte Gang zum Textilraum, der letzte Gang ins Lehrerzimmer, die meisten Kollegen werde ich danach wahrscheinlich nie wieder sehen oder hören – schade und zu guter letzt müssen dann noch die Schlüssel abgegeben werden. Dann ist es vorbei, aber dafür sind auch sechs Wochen Ferien.
Am Donnerstag werde ich noch Genaueres über den Einsatz an meiner neuen Schule erfahren. Darauf bin ich sehr gespannt. Hoffentlich habe ich am Anfang noch Welpenschutz und werde nicht gleich mit lauter Krempel und Extraaufgaben zugeschüttet oder werde gleich in die Chaosklassen gesteckt…



